Hinweis: Diese Seite bietet allgemeine Informationen zu PKU bei Kindern. Das individuelle PHE-Tageslimit und alle Therapieentscheidungen werden ausschließlich vom behandelnden Arzt und Stoffwechsel-Diätologen festgelegt. Kein Ersatz für medizinische Beratung.
Neugeborenenscreening: PKU erkennen, bevor Schaden entsteht
PKU kann zu Beginn nicht von außen erkannt werden – Neugeborene mit PKU sehen zunächst vollständig gesund aus. Deshalb ist das Neugeborenenscreening das wichtigste Instrument der PKU-Früherkennung. In Österreich, Deutschland und der Schweiz ist das erweiterte Neugeborenenscreening für alle Neugeborenen verpflichtend.
Am 3. Lebenstag wird dem Baby eine kleine Blutmenge aus der Ferse entnommen – der sogenannte Fersentest (auch Guthrie-Test). Das Blut wird auf eine spezielle Filterkarte (Guthrie-Karte) getropft und an ein akkreditiertes Labor geschickt. Dort wird unter anderem der Phenylalanin-Spiegel im Blut gemessen. Liegt der Phe-Wert über 120 µmol/L, erfolgt eine sofortige Kontrollmessung – und bei Bestätigung die umgehende Einleitung der Therapie.
Tag 3: Fersentest
Dem Neugeborenen wird aus der Ferse eine kleine Blutmenge entnommen und auf eine Guthrie-Filterkarte aufgetupft. Die Karte wird ins Labor eingesandt – das Ergebnis liegt meist innerhalb von 1–3 Werktagen vor.
Phe >120 µmol/L: Verdacht PKU
Liegt der Phe-Wert im Screening über dem Grenzwert von 120 µmol/L, wird das Neugeborene umgehend zum nächsten Stoffwechselzentrum einbestellt. Dort erfolgt eine differenzierte Diagnostik zur Bestätigung der Diagnose und Einleitung der Therapie.
Therapiebeginn vor dem 10. Lebenstag
Je früher die Therapie beginnt, desto besser. Internationale Leitlinien empfehlen den Beginn einer phenylalaninarmen Ernährung vor dem 10. Lebenstag. In der Regel kann ein betroffenes Kind noch im ersten Lebensmonat vollständig versorgt werden.
Normale kognitive Entwicklung
Kinder, die durch das Screening früh diagnostiziert und sofort therapiert werden, entwickeln sich in der Regel vollständig normal. Ohne Screening und unbehandelt führt PKU zu schweren geistigen Behinderungen – mit Screening ist dies heute nahezu vollständig vermeidbar.
Säuglinge mit PKU: Ernährung in den ersten Lebensmonaten
Die ersten Lebenswochen und -monate sind für Kinder mit PKU besonders sensibel. Das Gehirn des Säuglings wächst rasant und ist auf eine kontrollierte Phenylalanin-Zufuhr angewiesen. Gleichzeitig braucht das Baby ausreichend Protein und Energie für eine gesunde Entwicklung.
Die Ernährung von Säuglingen mit PKU besteht aus einer individuell abgestimmten Kombination aus Muttermilch oder herkömmlicher Säuglingsnahrung und einer phenylalaninarmen Aminosäuremischung (Formula). Die Formula liefert alle essenziellen Aminosäuren außer Phenylalanin und ist damit die Proteinquelle, die den Bedarf des Säuglings deckt, ohne den Phe-Spiegel im Blut zu erhöhen.
- Stillen ist möglich: Muttermilch enthält Phenylalanin, aber weniger als herkömmliche Säuglingsnahrung. Das Stillvolumen wird anhand wöchentlicher Blut-Phe-Messungen genau gesteuert – die Stoffwechseldiätologin legt das individuelle Verhältnis aus Muttermilch und Formula fest
- Phe-Zielwert Säuglings-/Kleinkindalter: <360 µmol/L – dieser Wert schützt das sich rasant entwickelnde Gehirn und wird in der frühen Kindheit besonders streng überwacht
- Engmaschige Kontrollen: In den ersten Lebensmonaten sind wöchentliche Blutkontrollen üblich; im weiteren Verlauf kann die Frequenz auf alle 1–2 Wochen angepasst werden
- Heimtest ab Geburt: Viele Zentren schulen Eltern bereits im Spital im Umgang mit der Trockenblutkarte, damit Kontrollen ohne Arztbesuch möglich sind
- Gewichtsentwicklung beobachten: Das Stoffwechselteam überwacht regelmäßig Gewicht, Länge und Kopfumfang, um das Wachstum des Säuglings sicherzustellen
- Einführung von Beikost: Ab ca. dem 4.–6. Monat beginnt die schrittweise Einführung von phenylalaninarmer Beikost – Gemüse, Obst und spezielle Getreidesorten stehen am Anfang
Kleinkinder & Kindergarten: Diät lernen, Alltag meistern
Mit dem Übergang zum Kleinkind beginnt eine neue Phase: Das Kind lernt zu essen, entdeckt neue Geschmäcker – und muss dabei lernen, dass manche Lebensmittel für es nicht geeignet sind. Eltern stehen vor der Aufgabe, eine abwechslungsreiche, phenylalaninarme Ernährung zu gestalten und gleichzeitig PKU kindgerecht zu erklären.
- Beikost mit Phe-Bewusstsein: Geeignete erste Beikost sind phenylalaninarme Gemüsesorten wie Karotten, Zucchini, Kürbis und Kartoffeln; Obst ist in der Regel gut verträglich. Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch und Milchprodukte sind wegen des hohen Proteingehalts nur in sehr kleinen Mengen oder gar nicht erlaubt
- Speziallebensmittel einführen: Es gibt eine breite Palette an PKU-spezifischen Lebensmitteln: phenylalaninarme Nudeln, Brot, Mehl, Kekse und Süßigkeiten. Diese ermöglichen eine kindgerechte Ernährung ohne Einschränkungen im Genuss
- PKU kindgerecht erklären: Ab etwa dem 2. Lebensjahr verstehen Kinder einfache Erklärungen wie „Dein Körper verarbeitet dieses Eiweiß nicht so gut wie andere Kinder." Mit 3–4 Jahren können viele Kinder selbst schon gut zwischen erlaubten und nicht erlaubten Lebensmitteln unterscheiden
- Kindergarten vorbereiten: Sprechen Sie frühzeitig mit der Kindergartenleitung und den Betreuungspersonen. Viele Stoffwechselzentren bieten Infoblätter für Bildungseinrichtungen an. Bringen Sie täglich fertig vorbereitete PKU-konforme Mahlzeiten mit – und für Feiern immer eine Alternative
- Geburtstage & Feste: Backen Sie PKU-freundliche Kuchen vor und frieren Sie Portionen ein, die bei Bedarf mitgegeben werden können. Viele Kinder mit PKU berichten später, dass sie das selbst als selbstverständlich empfunden haben – wenn Eltern die Situation gelassen und selbstverständlich kommunizieren
- Phe-Tracking für Eltern: PHE Buddy ermöglicht Eltern, die tägliche Phe-Aufnahme des Kindes unkompliziert zu erfassen – auch für kleine Portionen und Zwischenmahlzeiten
Schulkinder mit PKU: Schule, Freunde und wachsende Selbstständigkeit
Mit dem Schuleintritt verändert sich der Alltag von Kindern mit PKU grundlegend: Sie verbringen mehr Zeit außer Haus, essen in der Schulkantine oder Jause mit Mitschülern und beginnen, mehr Selbstverantwortung für ihre Ernährung zu übernehmen. Diese Phase birgt neue Herausforderungen – und große Chancen.
- Schule informieren: Informieren Sie Klassenleitung, Schulkrankenpflege und ggf. Hortbetreuung über PKU. Legen Sie schriftlich fest, welche Lebensmittel erlaubt sind, wie im Notfall zu handeln ist und wer zu kontaktieren ist. Viele Schulen sind bei klarer Kommunikation sehr kooperativ
- Schuljause & Mittagessen: Bereiten Sie täglich eine PKU-konforme Jause mit vor. Für das Mittagessen in der Schulkantine empfiehlt sich ein Gespräch mit dem Küchenpersonal – viele Kantinen können auf Wunsch geeignete Optionen bereitstellen (Gemüse, Reis, Kartoffeln ohne Fleischsoße). Alternativ: Mahlzeiten in Thermobehältern mitgeben
- Sozialer Druck: Mit zunehmenden Alter wird der soziale Aspekt des Essens wichtiger. Kinder können unter Druck geraten, bei Schulausflügen oder Partys „wie alle anderen" zu essen. Offene Gespräche über PKU und die Möglichkeit, selbst stolz damit umzugehen, stärken die Resilienz
- Wachsende Eigenverantwortung: Ab der Volksschule können Kinder beginnen, ihre Mahlzeiten selbst im PHE Buddy einzutragen und ihr Phe-Limit im Blick zu behalten. Diese frühe Selbstständigkeit ist ein wichtiger Schritt für das spätere Erwachsenenleben
- Blutkontrolle für Schulkinder: Für Kinder unter 12 Jahren empfehlen die europäischen PKU-Leitlinien Blutkontrollen alle 1 bis 4 Wochen. Der Heimtest mit Trockenblutkarte macht dies ohne Schulversäumnis oder Arzttermin möglich
- Familien-Netzwerk: PHE Buddy ermöglicht Eltern, die Blutwerte und Phe-Aufnahme des Kindes auch aus der Ferne im Blick zu behalten – ideal für Schullandwochen oder Übernachtungen bei Freunden
Blut-Phe-Zielwerte für Kinder und Jugendliche
Die empfohlenen Blut-Phe-Zielwerte variieren je nach Altersgruppe. In der Kindheit gelten besonders strenge Grenzwerte, da das Gehirn noch in der Entwicklung ist und empfindlicher auf erhöhte Phenylalanin-Spiegel reagiert. Die folgenden Richtwerte basieren auf den europäischen PKU-Leitlinien (ESPKU 2017, van Wegberg et al.).
| Altersgruppe | Phe-Zielwert (Blut) | Hinweis |
|---|---|---|
| 0–12 Jahre | <360 µmol/L | Strenge Kontrolle zum Schutz der Hirnentwicklung |
| 12–18 Jahre | <600 µmol/L | Leitlinien-Empfehlung ESPKU 2017; manche Zentren empfehlen weiterhin <360 µmol/L |
| Erwachsene | <600 µmol/L | Einige Leitlinien und Zentren empfehlen auch im Erwachsenenalter <360 µmol/L |
| Schwangerschaft | <120 µmol/L (1. Trimenon) | Besonders strenge Kontrolle zum Schutz des Kindes vor maternaler PKU |
Diese Werte sind Leitlinien-Richtwerte. Das individuelle Phe-Ziel Ihres Kindes wird vom behandelnden Stoffwechselteam festgelegt und kann je nach Verlauf, Genotyp und Lebensalter angepasst werden. Sprechen Sie alle Fragen zu Zielwerten mit Ihrem Stoffwechselspezialisten ab.
PHE Buddy für Familien: PKU-Alltag gemeinsam managen
PHE Buddy wurde für alle PKU-Betroffenen entwickelt – und berücksichtigt dabei die besonderen Bedürfnisse von Familien mit betroffenen Kindern. Eltern, die mehrere Kinder betreuen, oder Familien mit verschiedenen Betreuenden profitieren von den speziellen Familienfunktionen der App.
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